EINGEWEIDESCHMERZ
Chronischer Eingeweideschmerz,
Splanchnodynie
Der Eingeweideschmerz, auch als Splanchnodynie bezeichnet, beschreibt eigentlich Schmerzen, die von den in den großen Körperhöhlen (Schädel-, Brus t-, Ba uch-, Beckenhöhle) gelegenen Organe ausgehen. Es hat sich aber eingebürgert, daß mit dem Begriff "Eingeweideschmerz" nur Schmerzen gemeint sind, die von den Bauchorganen ausgehen.
Ein akuter (= frisch aufgetretener)
Eingeweideschmerz kann vielerlei Ursachen haben. Meist geht er von Organen des
Bauchraumes aus (M agen, Da rm, Galle, Bauchspeicheldrüse, Gebärmutter usw.).
Folgende Krankheitsbilder sind häufiger Anlaß, wegen einem anhaltenden oder immer wiederkehrenden
Eingeweideschmerz (chronischer) einen
Schmerztherapeuten aufzusuchen:
Schmerztherapie beim chronischen (= länger als drei Monate anhaltenden) Eingeweideschmerz
Nicht selten verbleibt trotz einer kausalen (= auf die Ursache gerichteten) fachärztlichen Behandlung weiterhin ein chronischer Eingeweideschmerz, so daß dann schmerztherapeutische Behandlungsmethoden gefragt sind. Oft sind diese bei verschiedenen Grundkrankheiten die gleichen, da sie sich nach den Schmerzen und ihrer Ausdehnung und nicht mehr vorrangig nach der Ursache richten. Ein länger bestehender Eingeweideschmerz erfordert praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren, die i.d.R. nur in spezialisierte Zentren (Schmerzklinik) angeboten werden können. Beim Eingeweideschmerz (chronischer) sind dies:
Information über die Erkrankung
Medikamentöse Behandlung (u.a. Analgetika, evtl. auch Spasmolytika (= Mittel gegen Krampfzustände), schmerzlindernde Psychopharmaka, auch als Infusionen, individuell ausgetestet)
Therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) in Form von Infiltrationen und Nervenblockaden, evtl. rückenmarknahe Blockaden, auch kontinuierlich mit Katheter
Evtl. TENS-Therapie (schmerzlindernde elektrische Ströme, die von einem kleinen tragbaren Gerät abgegeben werden)
Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)
Evtl. Physiotherapie (z.B. Kolonmassagen)
diätetische Maßnahmen
Therapeutische Lokalanästhesie beim chronischen Eingeweideschmerz
Die einfachste diesbezügliche Methode ist eine wiederholte Triggerpunktbehandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel
. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Ba uch infiltriert.Eine sehr hilfreiche und effektive Therapiemethode ist die
kontinuierliche epidurale (= rückenmarknahe) Blockade mit Katheter.
Neben der
erwünschten Unterbrechung der Schmerzreizleitung ist ein weiterer nicht zu
unterschätzender Vorteil, daß bei dieser Therapie, sozusagen als Nebeneffekt,
auch der Grenzstrang (= paarige Nervenstränge des
unwillkürlichen Nervensystems neben der Wir belsäule) mit einbezogen
wird, so daß es gleichzeitig zu einer erheblichen Durchblutungssteigerung
kommt, die jeder entzündlichen Schmerzursache (z.B. Mor bus
Croh n, Coli tis u lcerosa, Coli tis) fast schon kausal (= auf die
Ursache gerichtet) entgegenwirkt.
Auch bei Verwachsungen ist
die sympathikolytische (= gefässerweiternde und damit
durchblutungssteigernde) Nebenwirkung hilfreich, indem die
entstandenen, bradytrophen (= mit vermindertem Stoffwechsel
einhergehenden) Gewebsbereiche besser durchblutet werden und es
dadurch zu einer Optimierung der gestörten Mikrozirkulation kommt.
Nach einer
schon älteren englischen Studie konnten mit dieser Therapiemethode bei Mor bus Croh n zu einem
hohen Prozentsatz die oben erwähnten chirurgischen Eingriffe wenn nicht gar
vermieden, so doch erheblich hinausgezögert werden.
Wirkung und Ausmaß einer lumbalen (= den Lendenberei ch betreffenden) epiduralen Blockade kann individuell mittels Lokalanästhetikamenge (= Betäubungsmittelmenge) und -konzentration so gesteuert werden, daß die Schmerzreize aus dem gesamten Ba uchraum bei weitgehend erhaltener Motorik (= Muskelkraft) blockiert werden. Der Erhalt der Motorik hat den Vorteil, daß die Patienten sich unter dieser Therapie weiter frei bewegen können. Bei der sog. kontinuierlichen epiduralen Blockade (= Betäubung) mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vom Rüc ken her dicht an das Rückenmark eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine spezielle Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Behandlungsrisiko als vertretbar eingestuft werden.
Beim tumorbedingten Eingeweideschmerz kann diese Blockademethode auch angewendet werden, allerdings wird man auf das örtliche Betäubungsmittel verzichten, da in diesem Falle eine gefässerweiternde Wirkung unerwünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigt. Mit einer Morphin-Lösung läßt sich ebenfalls eine gute, schmerzstillende Wirkung erzielen.
Besteht ein chronischer Eingeweideschmerz längerfristig, so ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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